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Neue Wege zum Glück
Leben wir, um zu arbeiten - oder arbeiten wir, um zu leben? Lothar Seiwert's Konzept von Work-Life-Balance zielt auf eine optimale Versöhnung von Freizeit und Beruf. Ein aufschlussreicher Artikel von Martin Vogelsang.
Quelle: MADAME 10/2005, S. 131-132

Mehr Lebens-Balance im Berufs- und Privatleben
Vom Organizer zum Bumerang-Prinzip: In einer Welt, in der PC, Internet, Handy und E-Mail den Alltag takten, muss der Mensch wieder zum Maß der Dinge werden und aus dem Instrumentarium der Terminplanung eine Gebrauchsanweisung für eine Ganzheitliche Lebensführung. Prof. Seiwert sagt uns wie wir gesünder, erfolgreicher und zufriedener leben können.
Quelle: Modernes Office-Management 2004, Bundesverband Sekretariat und Büromanagement e.V., S.84-89, www.bsb-office.de

Burn out: Die Balance zwischen Muss und Muße
Wir spüren sie täglich, jede Minute und jede Sekunde: die Diktatur des Adrenalins. Immer schneller, immer öfter, immer mehr - die Hight-Speed-Gesellschaft hat uns fest im Griff. Lösen Sie sich von diesem Druck und gönnen Sie sich Zeit zum Durchatmen. (2 Seiten)
Von Prof. Dr. Lothar Seiwert
Quelle: spa manager Nr. 4/2004, S. 52-53, www.beauty-forum.com

Es reicht! Du hast deinen Job lieber als mich. Wenn Arbeit süchtig macht. 
Ein sehr ansprechener, schön illustierter Artikel auf Basis des Seiwert'schen Lebensbalance-Modells über Probleme in der Partnerschaft mit der Feststellung: "Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen. Incl. Selbstest " Arbeit: Job oder Privatleben: Was ihre Nummeer 1?" (6 Seiten)
Quelle: Wellness-Magazin, Ausgabe Februar 2005, S. 82-87, www.wellness-magazin.at

Entschleunigung: «Hübsch philosophisch» - aber wer hält sich daran?
Von Kai Portmann, Deutsche Presse-Agentur
Hamburg (dpa) - Bei einem seiner letzten Seminare an einem hoch angesehenen Bankhaus ist Lothar Seiwert zu spät gekommen - zumindest für einen der vorgesehenen Kursteilnehmer. Denn der hatte am Tag zuvor einen Herzinfarkt erlitten. Für Seiwert, gefragter Coach, viel gelesener Autor zum Thema Zeitmanagement sowie Life-Balance und laut Medienlob der «Guru der Zeitlosen», eine typische Krankheit nicht nur der Banker, denen er den vernünftigen und entspannten Umgang mit der Zeit beibringen sollte. «Erste und zweite Führungsebene, das heißt auch ein oder zwei Herzinfarkte», sagt Seiwert überspitzt.
«Hurry Sickness», Hetzkrankheit, heißt das Syndrom, das in den USA wie eine Epidemie um sich gegriffen und längst auch in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft Einzug gehalten hat. Der wachsende Druck, mit Arbeit und Alltag in immer schnellerem Tempo fertig zu werden, macht krank.

Früher konnte man sich 24 Stunden Zeit lassen, um eine E-Mail zu beantworten. Heute ruft der Absender schon nach einer halben Stunde an und fragt nach. Seiwerts Rezept dagegen: «Entschleunigen Sie ihr Leben, entdecken Sie die Langsamkeit.» Der Wille ist da, die «Sehnsucht nach mehr Zeit» (Stern) hat die Menschen erfasst - doch wer traut sich schon, angesichts von Wirtschaftsflaute und Massenarbeitslosigkeit auf die Bremse zu treten?

«Die Leute, die es nötig haben, kommen nicht», sagt der Psychologe George Pennington. In einem Seminar- und Gästehaus im oberbayerischen Lenzwald bietet der gebürtige US-Amerikaner radikale Entschleunigung als Therapie gegen den drohenden oder akuten Burnout an. Wo Lothar Seiwert empfiehlt, bei arg hektischer Betriebsamkeit zur kurzen Entschleunigung mindestens drei Minuten lang alle Bewegungen auf die doppelte Zeit zu verlangsamen, geht Pennington noch mehr als einen Schritt weiter. Jedes Jahr in der Woche vor Fronleichnam, bei gesteigerter Nachfrage auch häufiger, veranstaltet Pennington sein Seminar «Zeitlupe», bei dem gewohnte Bewegungsabläufe bewusst extrem in die Länge gezogen werden.

Je schneller man ist, desto schwieriger ist das zur Erweiterung der Perspektive nötige Innehalten, das Aussteigen aus den Inhalten, die Weitung des Blicks, so Penningtons Erkenntnis. Sein Mittel für mehr Durchblick und weniger Stress: 72 Stunden ohne Unterbrechung alle Bewegungen in Zeitlupe ausführen - das Aufstehen am Morgen, das Essen, den Gang zur Toilette. Allein zehn Minuten sollte das Zubinden der Schnürsenkel in Anspruch nehmen. Beim Sprechen darf es nicht mehr als ein Wort pro Atemzug sein. Die Bilanz der Kursteilnehmer: Mehr innere Ruhe, besserer Schlaf, nachhaltig weniger Stressanfälligkeit.

Aber genau die Gäste, die Pennington gerne haben will, bleiben eben aus: die Wirtschaftsmanager. Warum das so ist, hört der Psychologe immer wieder, wenn er als Coach in Firmen geht und Führungskräften drei Tage lang das Einmaleins des Stressmanagements oder des Konflikttrainings vermittelt: «Die sagen, sich 72 Stunden langsam zu bewegen, sei eine qualvolle Vorstellung.» Denn: Überall drohe die Arbeitslosigkeit, niemand wolle sich eine Blöße geben. Der Schreibtisch müsse schnell leer werden. «Da lassen sich viele heimlich am Wochenende mit Proviant im Büro einschließen, um ihre Arbeit zu erledigen», sagt Pennington. Zeitmanagement bedeute für Wirtschaftsmanager allein, aus 24 Stunden 36 Stunden machen zu wollen. Sein ernüchterndes Fazit zum Thema Entschleunigung nicht nur in der Wirtschaftskrise: «Es ist hübsch philosophisch, aber keiner hält sich daran.»

Denn ganz unabhängig von Konjunkturflaute und Arbeitslosigkeit: Der Zeitnotstand von Führungskräften und die «Hilflosigkeit von Managern in eigener Sache», wie sie der Berliner Professor für Industrie- und Betriebssoziologie Ulf Kadritzke sieht, haben tiefere Wurzeln in der Organisation der Wirtschaft.
Eine davon ist laut Kadritzke die mangelhafte Motivationspolitik zahlreicher Firmen, die den einzelnen Manager verunsichert: «Weil die tatsächlichen Anforderungen und Erfolgsmaßstäbe im betrieblichen Organisationsklima häufig unklar bleiben, gilt ihm die vom Vorgesetzten inszenierte Anwesenheitsdauer als einzig sicherer Anhaltspunkt für sein Leistungsvermögen.»

Größtes Hindernis aber für die Entschleunigung, für flexiblere Arbeitszeiten in den Führungsetagen, die eine vernünftige Balance zwischen Job und Leben, «die persönliche Genussfähigkeit der freien Zeit» gewährleisten könnten, ist für den Soziologen das alte Leitbild der Führungskraft: «Es (v)erklärt die erfolgreiche Managerkarriere als Opferfest des Privatlebens.»

Doch im derart tradierten Wettlauf gegen die Zeit ziehen immerhin einige die Notbremse. Susanne Preiss etwa. Als 26-jährige war sie für eine Werbeagentur 16 Stunden am Tag im Einsatz: «Wir waren hip und ganz weit vorn und verdienten Geld.» Dass sie nachts Angstzustände hatten wegen des Jobs und keinen Schlaf fand, das war kein Thema im Kollegenkreis.
Bei einer Asienreise kam sie nach Schanghai und sah in einem Park der hektischen 17-Millionen-Metropole Menschen beim Qigong, den klassischen Bewegungs- und Atemübungen der Chinesen. «Ich habe diese Leute gesehen und gedacht, das ist genau das, was mir fehlt, diese Ruhe und Gelassenheit», sagt Susanne Preiss.

Einen der Chinesen im Park suchte sie sich als Lehrer aus. Der akzeptierte sie als Schülerin - nachdem sie seiner Tochter als Gegenleistung einen Praktikumsplatz in Hannover organisiert hatte. Nach zehn Minuten Übung an einer Körperstellung schickte der Meister sie weg, sie solle in 99 Tagen wieder kommen. Susanne Preiss verstand die Lektion der Ruhe. «Das war keine Erleuchtung, sondern ein pragmatischer Lernschritt», sagt sie.

Seit drei Jahren bietet sie nun «Entschleunigungswochenenden mit Qigong» an, als «One-Woman-Show». Ein Dogma will sie nicht machen aus ihrer Einstellung («Es ist mir wichtig, mich abzuheben von lila Latzhosen und Birkenstock-Sandalen.»). Mit Druck besser klarzukommen, sei eine tägliche Aufgabe. Zu ihren Kursen, veranstaltet in Hotels für jeweils 8 bis 15 Teilnehmer, kommen Consultants, Partner von Rechtsanwaltskanzleien, Hotelmanager oder Hausfrauen. Susanne Preiss findet ihre Ruhe in ihrem Haus am Ufer des Steinhuder Meeres. Für ihr neues Geschäft macht sie «im Prinzip keine Werbung». Das wächst durch Mundpropaganda «ganz, ganz langsam». Und das ist ihr sehr recht.
dpa kp
www.seiwert.de



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